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Holz in Form: Dass Rupert Niedermeier sein Unternehmen gezielt ausgerichtet hat, war mir zwar schon klar. Aber als ich in der lichtdurchfluteten Holzbauhalle stand und vier überdimensionale Vakuumpressen, fünf hydraulische Pressen, die bis zur Decke der Halle ragten, und eine pneumatische Presse sah, wusste ich: Hier sind absolute Spezialisten am Werk.
BM-Redakteurin Regina Adamczak
Viel mehr als eine Hobelbank hatte der Großvater nicht, als er im Jahr 1929 seine Schreinerei gründete. In Warth, einem kleinen niederbayerischen Dörfchen. Das Unternehmen blieb in Familienhand. Sein Sohn Wilhelm übernahm 1969 nach der Meisterprüfung den Betrieb. Er wollte expandieren. „Mein Vater war immer schon sehr rührig“, erzählt Rupert Niedermeier. „Er arbeitete mit Architekten zusammen, gewann anspruchsvolle Kunden in München. Immer exklusiver, aber damit auch immer herausfordernder wurden die Projekte.“ Was Wilhelm Niedermeier dabei zugute kam: Er war auch ein begnadeter Tüftler. Angefangen hatte es mit den damals angesagten Rundbogentüren: Um die Türfutter zeitsparend und effizient produzieren zu können, entwickelte er gemeinsam mit einem Maschinenbauer eine hydraulische Presse. Dabei blieb es nicht: Weitere Maschinenspezialitäten kamen hinzu und das Unternehmen etablierte sich schon früh als Zulieferer für Schreinerkollegen. Im Fokus: Formteile.
Alles auf Formteile
Für Rupert Niedermeier war es keine Frage, dass er in die Fußstapfen von Vater und Großvater trat. 1992 hatte er seinen Meisterbrief in der Tasche. Doch er stellte eine Bedingung: Seine Welt sollte rund sein! „Ich wollte nur noch Formteile bauen.“ Ein harter, ein riskanter Schritt. Doch sein Vater unterstützte ihn. Waren es anfangs pneumatische Pressen, entstand 1998 die erste Vakuum-Presse, eine eigene Entwicklung. Ein Jahr später erhielt das Unternehmen seinen Namen: Die Holz in Form Niedermeier GmbH war geboren. Vater Wilhelm verantwortete nach wie vor die technische Umsetzung in der Werkstatt, doch Sohn Rupert setzte die Segel: Computer, Marketing, eine neue Werkstatt … um mit der Spezialisierung Erfolg zu haben, mussten Weichen gestellt werden. Er baute eine neue Fertigungshalle. Auf der grünen Wiese nicht weit von seinem Elternhaus. Großzügig. Hell. Für Stapler geeignet. Und mit viel Platz für Maschinentechnik. Seit 2003 ist er alleiniger Geschäftsführer. 20 Mitarbeiter hat er beschäftigt.
Exklusiv und schwindelerregend
„Ist Ihr Angebot einzigartig?“ frage ich frech. Rupert Niedermeier lacht. „Wie man’s nimmt“, sagt er. „Formteile machen viele. Die Frage ist aber doch: Mit welchem Aufwand und mit welchem Ergebnis? Unsere Antwort ist: In dieser Komplexität, die wir bieten, gibt es sehr wenige vergleichbare Spezialisten. Wir verfügen über so viel Erfahrung und sind so viel effektiver, dass der Schreiner oder Tischler keine Lust hat, es selbst zu machen oder seinen besten Mann dafür abzustellen.“
So entstehen exklusivste Thekenanlagen, Treppen in schwindelerregenden Konstruktionen, kugelrunde, überdimensionale Promotion-Hingucker oder edle Yacht-Innenausbauten mit sanft gerundeten Fronten – Projekte, die in aller Welt ihre Heimat finden: in London und Zürich genauso wie in New York oder Las Vegas, selbst auf den Cayman-Inseln wurden Projekte realisiert, in denen Formteile aus dem Hause Niedermeier verbaut sind.
Know-how in Sachen Konstruktion
Die Gestaltung übernimmt im Allgemeinen der Auftraggeber. Und mehr sollte es auch nicht sein, denn: „Unsere Stärke ist die Konstruktion, so komplex wie nötig, so effizient wie möglich und natürlich statisch sinnvoll. Dazu benötigen wir die äußere Form und die Beschreibung, was das Teil erfüllen soll.“ Mussten Rupert Niedermeier oder seine Mitarbeiter früher für das Aufmaß oft viele Tausend Kilometer zurücklegen, ist dies heute dank digitaler Vermessung und Datenwolke deutlich effizienter möglich.
Bei den Materialien ist alles möglich. Ob Holzwerkstoff, Mineralwerkstoff oder Furnierabwicklung: der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt. Die Oberflächenbehandlung übernimmt oftmals der auftraggebende Schreinerbetrieb genauso wie die Montage. „Generell sind wir ein Zulieferbetrieb. Montage ist in der Regel nicht Bestandteil des Auftrags.“
Online-Shop für Standardprofile
Doch es geht auch einfacher: Runde Profile in Standardmaßen sind im Online-Shop erhältlich, den es seit zehn Jahren gibt. Halbschalen, Viertelschalen oder Winkelprofile in unterschiedlichsten Radien und zwei Längen, mit oder ohne Grundierfolie können hier just in time bestellt werden. Bezahlt werden kann via Paypal oder Klarna. „Das ist einfach und ermöglicht eine schnelle Abwicklung.“
Spezifische Technik
Um der strammen Terminplanung dauerhaft gerecht werden zu können, wird stetig investiert. Zurzeit wird beispielsweise die dritte 5-Achs-CNC in Betrieb genommen – mit vielen Vorteilen: Sie hat eine Z-Achse von 120 cm, ist noch größer, noch exakter und noch schneller. Sie wurde auf Empfehlung der Mitarbeiter gekauft. „Denn die wissen besser als ich, was unsere Fertigung noch effizienter macht.“
Viel Platz nehmen auch die vier Vakuumpressen ein. Sie sind zum Teil überdimensional, nur begrenzt durch die Größe der Vakuumfolie, die aus Naturkautschuk ist und damit nicht größer als 21 m2 sein kann. In drei hydraulischen Pressen können runde Formteile über 180 Grad hinweg gebogen werden, um einen sauberen Winkelschnitt garantieren zu können. Für gebogene Handläufe steht noch eine pneumatische Presse zur Verfügung. „Sie sehen hier Pressentechnik, die man so nicht kaufen kann“, sagt Rupert Niedermeier. „Wir haben sie gemeinsam mit externen Partnern entwickelt und bauen lassen. Sie ist auf unsere speziellen Bedürfnisse optimiert.“
Auch im Bereich der Schablonentechnik gibt es spezifische Lösungen, die sich das Unternehmen im Laufe der Jahre erarbeitet hat. Denn die Qualität der Schablone ist die Voraussetzung für ein einwandfreies Formteil.
Das Team ist die Power
Doch die tollste Technik ist nichts ohne Mitarbeiter, die sich damit auskennen. In der Fertigung ist Können gefragt, das über die Anforderungen in gängigen Schreinerbetrieben hinausgeht. Rupert Niedermeier weiß, was er an seinem Team hat: „Meine Mitarbeiter kommen auf die allerbesten Ideen.“ Und das müssen sie auch, denn die Aufträge sind hochkomplex und oft ist bei Auftragsvergabe zwar schon klar, wie ein Projekt aussehen soll, aber die technische Umsetzung? Da ist Expertise und Erfahrung gefragt und hier beginnt die Arbeit von Holz in Form Niedermeier. Entwickelt wird oft im Team. In der Arbeitsvorbereitung feilen Sepp Sedlmaier, Schreinermeister und Holztechniker, und Michael Aschenbrenner, technischer Produktdesigner, an den Plänen. Ihr Know-how ist auch am Telefon gefragt. „Kompetente Beratung für unsere Schreinerkollegen: Das ist unser Anspruch“, sagt Rupert Niedermeier.
Konstruktion und Werkstatt eng verzahnt
Die konstruktive Umsetzung erfolgt in enger Abstimmung mit der Werkstatt. „Eine Trennung von Büro und Werkstatt gibt es nicht“, sagt Niedermeier. Beides ist eng verzahnt. Jeden Morgen treffen sich alle am großen Tisch, um die aktuellen Herausforderungen zu besprechen. Produktionsleiter Konrad Denk kann man so schnell nichts vormachen: Seit 35 Jahren ist er im Unternehmen. Er beherrscht die Technik der Formteile-Herstellung aus dem FF.
Wie für Konrad Denk sind für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Formteile die erste Wahl. „Sie haben sich bewusst für das Unternehmen entschieden, sie lieben die Herausforderungen und sie haben richtig Bock“, bringt es Rupert Niedermeier auf den Punkt. „Das Team ist die Power.“ Er kann sich auf sein Team verlassen und hat vollstes Vertrauen. Jeder darf alles machen, muss aber nicht. Und jeder Mitarbeiter hat einen Bereich, für dessen Sauberkeit und Ordnung er zuständig ist. Ein Arbeitsumfeld, das angenehm temperiert, hell und sauber ist – das ist Rupert Niedermeier ein Anliegen. Er will, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen.
Partnerschaften als Erfolgsfaktor
Ein weiterer Erfolgsfaktor sind Kontakte: „Netzwerken ist das A und O für Spezialisten, wie wir es sind“, sagt Rupert Niedermeier.
Im Laufe der Jahre entwickelten sich viele Partnerschaften, die sich auszeichnen durch gegenseitiges Vertrauen und Zuverlässigkeit. „Ein wichtiger Faktor in unserer Branche und auch in diesen Zeiten“, bringt es der Schreinermeister auf den Punkt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht etwas aus dem Unternehmen mitbekommt, sogar wenn er beim Skifahren ist. Denn ein bisschen Auszeit muss auch sein. Am liebsten an der frischen Luft.
Am Ball bleiben
Und die Entwicklung bleibt nicht stehen: Erst jüngst gelang eine Innovation in der Klebetechnik. Mit den Partnern Kleiberit und Wagner wurde eine Lösung entwickelt, die den Klebeprozess deutlich beschleunigt und noch sicherer macht. Ganz zu schweigen von der Zeitersparnis bei der Reinigung. „Der Engpass war früher die Verleimung. Wenn nun die dritte CNC angeschlossen ist, werden es die Vakuumpressen sein, denn die Trocknung braucht seine Zeit.“
Irgendwas ist immer. Deshalb lautet die Devise von Rupert Niedermeier: „Am Ball bleiben.“ Bereits vor acht Jahren wurde der Fertigungsablauf auf neue Beine gestellt – Werkstatt 4.0. Seit 2012 ist das Dach komplett mit Photovoltaik bestückt. Das macht Sinn, denn die Fertigung ist energieintensiv. Das Energiekonzept wurde mit Hilfe eines Energieberaters optimiert: Die Beleuchtung auf LED umgestellt, der frequenzgesteuerte Drucklufterzeuger liefert nur, wenn Druckluft gebraucht wird, Leckagen sind konsequent beseitigt worden. Draußen entdecke ich fünf Ladestationen. Die Mitarbeiter dürfen ihre E-Autos kostenlos laden. Aber braucht es denn so viele? Rupert Niedermeier lacht: „Das ist natürlich in die Zukunft geplant, aber so sind wir halt – schon immer.“
Holz in Form Niedermeier GmbH
84163 Marklkofen / Warth

